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Zeitumkehr

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Zeitumkehr
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Anonim

Alice Anderson dreht die Zeit in der Londoner Riflemaker Gallery um

12März 2010 TextKara Simsek Dreitausend Meter Kunsthaar schlingen sich durch die Riflemaker-Galerie und umarmen den Raum innen wie außen wie die Schärpe einer Schönheitskönigin. Es wird vom Eingang verschluckt, ein wütender kastanienbrauner Strom, der aus einem Fenster im Obergeschoss stürzt, bevor es durch das Erdgeschoss der Galerie spinnen, nur um vom Kamin eingeatmet zu werden, der bereit ist, ein Stockwerk höher wieder auszubrechen.

Dies ist sicherlich eine Ausstellung über Frauen und Objektivierung, aber es ist insgesamt ein viel dunklerer Blick auf die Weiblichkeit als alles, was mit Diademen und Festzügen zu tun hat. Alice Andersons Kurzfilm „The Night I Became A Doll“aus dem Jahr 2009 ist das Herzstück der Installation und untersucht Vorstellungen von mütterlicher Ablehnung.

Die wackelige, von Kerzen beleuchtete Treppe, die zum Vorführraum im Untergeschoss für den 9-minütigen Kurzfilm führt, strahlt eine unheimliche Atmosphäre aus, die direkt aus einem Gothic-Roman stammt und gut zur Handlung des Films selbst passt, die darin hätte zu finden sein können ein Zeitgenosse von The Mysteries of Udolpho.

Der Film erzählt, wie ein junges Mädchen aufhört zu essen, zu sprechen und sich zu bewegen, um sich in eine Puppe zu verwandeln, um ihrer Mutter zu gefallen. Die Erzählung selbst ist hart und bei näherer Betrachtung wirklich ziemlich grausam und wird durch den Stern - die Puppe - unendlich gruseliger.

Andersons Arbeit ist stark von Puppen und Marionetten abhängig, sie fordert sie auf, ihre Kindheit neu zu erfinden, indem sie sie ihre eigenen verzerrten Erinnerungen nachstellen lässt. Sie behauptet, der Film sei autobiografisch, glaubt aber auch, dass Autobiografie eine Form der Fiktion ist, sodass unklar ist, ob der Film repräsentativ für tatsächliche Erfahrungen ist.

In der obersten Etage sind weitere Puppen zu finden. Klein und fötusartig werden sie in röhrenähnliche, aus k altweißem Gips gegossene Gebärmutter gelegt oder auf Sockel geworfen, allein und niedergeschlagen, mit dem Rücken zum Publikum, das fasziniert und doch distanziert über ihnen thront. Sie sind aus einem Faden gewebt, der genauso feuerrot ist wie das Haar des Künstlers, das auch das gleiche ist wie die Zunge, die stumm aus dem Fenster schreit.

Weitere Seltsamkeiten finden sich in „Un titled“, einer Serie von Gemälden mit dem eigenen Blut des Künstlers, die wiederum perfekt zu der rostigen Farbgebung passen.

Die kleine Ausstellung ist intensiv und ihre Erkundung gleicht einem Albtraum: Ein Mädchen wird zur Puppe, Blut wird als Farbe verwendet, Föten aus Fäden, ein Haus voller Haare. Aber weil es der Alptraum von jemand anderem ist, macht es wirklich ziemlich viel Spaß.

Alice Anderson’s Time Reversal, Riflemaker 79 Beak Street, Soho, London W1. 1. März – 24. April 2010

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